Pelze wieder in Ordnung? | Im „Geistigen Schützengraben“ vom 18.4.2020

Written by on 18. April 2020

China: Der größte Teil des europäischen Marktes

Noch vor einigen Jahren war Pelz in der Gesellschaft unangebracht und verpönt. Doch da hat sich einiges geändert und Pelzläden bestehen weiterhin in der Republik. Dann, mit dem Auftreten des Kunstpelzes war das Tragen von Pelzen wieder vollkommen in Ordnung, weil die meisten Menschen den Unterschied nicht beachten und dann trotzdem Echtpelz kaufen.  

Aber warum war Echtpelz verpönt? – Naja, das waren die Herstellungsbedingungen, sowie die Änderung der Ethik und Moral, die aus den Herstellungsbedingungen hervorgingen. Das meiste an Pelz auf dem deutschen Markt kommt aus China. Dort wird verarbeitet und die Nerze und Marderhunde werden gezüchtet. Schätzungsweise werden 70 Millionen Tiere aufgrund ihres Fells getötet, 150.000 Pelze werden dort tagtäglich verarbeitet. Die Lebenszeit der Tiere beträgt bescheidene 5 Monate und ihr Leben wird mit einem schwachen Kopfschlag fast beendet. Fast? Da die Arbeiter nur pro Pelz bezahlt werden, schlagen diese den Tieren mit einer Metallstange auf den Kopf, wodurch das Leben der Tiere nicht immer beendet wird. Viele Tiere leiden weiterhin, auch während der Häutung, auch nach der Häutung, sie atmen noch. Für 4-13€, je nach Kleidungsteil kommen sie dann nach Europa, wo es vorher mit teilweise giftigen und hautreizenden Chemikalien behandelt wurde.  

Um einen europäischen Standard zu erreichen, wären viele Menschen aus der Bevölkerung bereit, mehr für Echtpelze zu bezahlen.

Über die chinesischen Bedingungen äußerten sich Pelzläden aus der Republik nicht nach 2 Wochen. 

 

 Die EU: Wirklich Nachhaltig?

 

Die Europäische Union hat gar kein Siegel für Pelze, dafür aber der europäische Verband der Pelztierzüchter. Das OA Siegel soll eine nicht näher definierte Nachhaltigkeit auf dem internationalen Markt darstellen im Gegensatz aus China. Aber laut Tierschutzverbänden sei die Wahrheit auch in Europa kritisch. Die Käfige sind so groß wie ein DIN A4 Blatt. Der Tod erfolgt durch Vergasung ermöglicht und das Fell wird mithilfe einer Maschine innerhalb von 40 Sekunden abgezogen. Die Lebensdauer der Tiere liegt mit 6 Monaten nur einen Monat über der in China. Doch die Höhe ist, dass das OA-Siegel nicht unabhängig kontrolliert wird. Gleichzeitig setzt der Verband alles daran, möglichst viele Pelze mit dem Siegel zu versehen, um diese teurer verkaufen zu können. 

 Ist auf die deutsche Jägerschaft da verlass?

Aber es gibt ja die gute deutsche Jägerschaft! 500.000 Rotfüchse werden jedes Jahr in Deutschland getötet. Davon landen nur 5% bei der von einem Jäger/einer Jägerin zur Vermarktung deutschen Fells gegründeten „Fellwechsel GmbH“. Doch die Methoden, der Fellwechsel GmbH sind wirklich fragwürdig. Tierschützer dokumentieren, dass die Jäger*innen die Tiere mit Käfigen fangen und danach mit einem Kopfschuss töten, unter höchstem Stresslevel für das Tier. Auch werden diese Tiere angeschossen und verbluten im Wald, werden mit Fallen zerquetscht(ein qualvoller Tod). Auch werden die Rotfüchse häufig angeschossen und verbluten im Wald, oder sie werden durch die Fallen zerquetscht und erleiden einen quallvollen Tod.  

 Gibt es da überhaupt noch Hoffnung?

 

Es gibt einige Landwirte-und wirtinnen, die sich auch in der Pelzindustrie bemühen. Eine davon ist Silvia Langsdorf, 58. Sie verkauft Lammfleisch auf nachhaltige Art und Weise und nutzt das dabei entstehende Fell, um es nicht wegschmeißen zu müssen.


Ein Beitrag von Mike Tarpataky und Tim Gilzendegen


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